Simple and Easy.

Unser pädagogisches Konzept

Hier erfährst Du alles über unser Konzept

Zielsetzung im Waldkindergarten „Waldzwerge“ in Walsrode „Gemeinsam wachsen unterm Blätterdach“

Mit dem Waldkindergarten bieten wir den Kindern eine gute Alternative zum Regelkindergarten an, der sie optimal auf die Schule vorbereitet. Der Wald als natürlicher Gruppenraum ist in seiner Vielfalt durch nichts zu ersetzen. Naturnahes Lernen, alle Sinne aktivieren, den Wald begreifen, Wind und Wetter spüren..., die „Waldzwerge“ machen diese Erfahrung täglich. Jedes Kind ist ein geborener Lerner und bestrebt die Welt zu verstehen. Dabei baut es mittels der Wahrnehmung vielschichtige innere Bilder und Vorstellungen auf. Im Laufe des Bildungsprozesses fügen sich diese zu seinem eigenen „Weltbild“ zusammen. Wir geben den Kindern für ihre Entwicklung und Einzigartigkeit einen sicheren und zuverlässigen Rahmen. Unterstützend sind dabei:


  • Regelmäßigkeit durch immer wiederkehrende Rituale (Morgenkreis, gemeinsames Frühstück, Abschlusskreis)
  • Überschaubarkeit durch feste Strukturen und Regeln
  • Wiederholung von Liedern, Spielen und Arbeitsgängen (Hände waschen, Tisch decken,
    aufräumen)
  • unsere Aufmerksamkeit und Begleitung

1. Emotionale Entwicklung und soziales Lernen

Im Waldkindergarten vermittelt die enge Beziehung zu den Erzieherinnen und den anderen Kindern Sicherheit. Das Kind erfährt hierdurch verlässliche Bindung: „Ich bin willkommen, ich bin wichtig, ich wirke und kann etwas bewirken.“
Dieses Bewusstsein erzeugt Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Es ist uns wichtig, dass die Kinder in unserer kleinen Gruppe innerhalb eines stetig wachsenden Lernprozesses:

  • aufeinander eingehen, miteinander spielen und kommunizieren
  • sich selber auch mal im Interesse anderer zurücknehmen, indem wir uns ausreden
    lassen, oder eigene Ideen zurückstellen
  • sich als wichtigen Teil der Gruppe erfahren, dazu gehört anderen zu helfen und auch
    teilen können,
  • Konflikte austragen und mit unserer Unterstützung lösen

  • sich ihrer eigenen Gefühle bewusst werden, sie zulassen und ausdrücken können,

  • Gefühle anderer wahrzunehmen und zu verstehen.

Durch das Auffordern zu selbstständigem Handeln, z. B. beim An- und Ausziehen, beim Erlernen des Umgangs mit Werkzeug, dem Ermutigen zum Klettern ohne Hilfestellung, haben die Kinder Erfolgserlebnisse, die das Selbstvertrauen stärken. Das Selbe gilt für das Übernehmen von Aufgaben, die sonst nur die Erwachsenen ausführen, wie z. B. das Anzünden des Feuers, jüngeren Kindern Hilfestellungen geben, Besuchern unseren Kindergarten zeigen.
In Streitsituationen ist es uns wichtig, uns nicht sofort einzumischen, sondern das Geschehen zunächst beobachtend zu begleiten, denn Streiten lernt man nur durch Streiten.

Um die Jungen und Mädchen in ihrer Entwicklung eines positiven Körpergefühls und Selbstwertgefühls zu stärken, unterstützen wir sie individuell.
Bei all unserm Tun dienen wir den Kindern als Vorbilder. Wir reflektieren regelmäßig unser Handeln, um den Kindern angemessene Hilfestellungen und Anregungen für ihr Verhalten zu geben. Dabei achten wir darauf, die Kinder auf die Mimik und Körpersprache aufmerksam zu machen, damit sie die Gefühle und Befindlichkeiten der anderen „lesen“ lernen. Empathie ist die Grundlage für das soziale Miteinander.

2. Selbstverantwortlichkeit und Regelbewusstsein

Der Aufenthalt im Wald erfordert von den Kindern ein anderes Maß an Verlässlichkeit, als dieses in geschlossenen Räumen nötig ist. Gefahren durch giftige Pflanzen, Waldarbeiten, plötzlich auftretenden Sturm und Gewitter, die, in ihren Folgen, für Kinder nicht abschätzbar sind, erfordern das Anerkennen und Einhalten fester Regeln.
Indem wir den Kindern ein demokratisches Mitspracherecht geben, lernen sie sich für ihre Interessen einzusetzen und sich zu entscheiden (Wanderziele, Lieder, Spiele). Entstehende Mehrheitsbeschlüsse zu akzeptieren ist für einige Kinder ein schwieriger Prozess. Sie lernen sich im Interesse der Gesamtgruppe zurückzunehmen. Geburtstagskinder dürfen wählen, an welchem Ort sie feiern möchten und bestimmen weitestgehend den Ablauf des Vormittags mit Liedern und Spielen.
Die Kinder sollen lernen für ihr Eigentum (Rucksack, Kleidung, Materialien) altersgerecht Verantwortung zu übernehmen.
Im Laufe der Kindergartenzeit übertragen wir den Kindern zunehmend mehr verantwortliche Aufgaben. So erleben sie auf der einen Seite das Gefühl auf sich stolz sein zu können und andererseits fällt es ihnen manchmal schwer, Aufgaben verpflichtend durchzuhalten.

3. Bewegung ist die Basis allen Lernens

Bewegungserfahrungen sind elementare Grundlagen für eine ganzheitliche Entwicklung. Der Wald mit seinen vielfältigen Möglichkeiten hat einen natürlichen Aufforderungscharakter und motiviert zu unterschiedlichen Bewegungsabläufen. In der Grobmotorik z. B.: laufen über unebenen Boden, balancieren und klettern, springen und hüpfen, schaukeln und wippen.
Durch das Greifen von Bucheckern und Steinchen, das Malen mit Stöcken im Sand, das Basteln mit Naturmaterialien wird die Feinmotorik geschult. Hier geben wir entsprechende Beispiele und zeigen den Kindern verschiedene Möglichkeiten auf. Die Natur bietet dazu vielfältiges Material. Außerdem können sich die Kinder im Gebrauch von Werkzeugen, wie Sägen, Schnitzmessern usw. üben.

4. Das freie Spiel

Kinder brauchen Freiräume, um mit ihren Freunden zu spielen. Dabei ahmen sie die Welt der Erwachsenen nach und verarbeiten ihre Erlebnisse und Wahrnehmungen. Sie üben im Spiel, sich mit dem sozialen Leben auseinander zusetzen, Kontakte aufzubauen und notwendige Grenzen zu ziehen. Das heißt, Kinder spielen, um Leben zu lernen und ihren Platz im Leben zu finden.

Sie passen ihr Spielvorhaben ständig den gegebenen Umständen an. Das erfordert von ihnen ein hohes Maß an Kreativität und Flexibilität. Sie können nie sicher sein, dass die mühevoll gebaute Hütte von gestern heute noch steht. Gestern hat es Spaß gemacht durch die Pfützen zu springen – heute sind sie vielleicht schon vereist oder ausgetrocknet. Doch gerade die ständig sich wandelnde Natur macht das freie Spiel so inhalts- und abwechslungsreich. Durch den weitestgehenden Verzicht auf vorgefertigtes Spielzeug, holen sich die Kinder aus der Natur, was sie für ihre Spiele brauchen. Mit einfachen Mitteln entsteht dabei ein Gebilde, dass in der Phantasie der Kinder genau das ist, was sie darin sehen – während wir Erwachsenen es uns erklären lassen müssen. Schöne Spielerlebnisse sind nicht an Konsumgüter gebunden.

5. Mit allen Sinnen

Das Erleben der Ruhe im Wald ermöglicht eine differenzierte Wahrnehmung vielfältiger Sinneseindrücke. So z.B. sehen sie winzige Tierchen, betrachten sie in der Becherlupe, suchen im Nachschlagewerk danach und vergleichen. Holz kann ganz unterschiedlich riechen, z.B. frisch geschlagenes Holz, moderiges Holz, Laub- und Nadelholz, Harz. Wir können das Wetter hören, z.B. das Geräusch der Regentropfen auf Blättern oder dem Bauwagendach, das Rauschen der Bäume bei leichtem oder stärkerem Wind. Selbst gemachtes Essen schmeckt im Wald ganz besonders, z.B. Holunderpfannkuchen oder Brennnesselsuppe. Die Kinder fühlen die unterschiedliche Beschaffenheit von Blättern, Moos, Rinde, Ästen und glitschigem Lehm. Auch das Gleichgewicht gehört zu den Sinnen. Beim Balancieren, gehen über unebenem Boden (mit und ohne Rucksack!), über Pfützen springen und beim Überwinden einer Wackelbrücke aus Seilen, wird das Gleichgewicht geschult.
All diese sinnlichen Erfahrungen zu sortieren, zu ordnen und zu verarbeiten ist auch z.B. für das Schreiben und Lesen lernen unbedingt erforderlich. Durch Ausprobieren dürfen und Erfahrungen sammeln lernt das Kind den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, wenn es z.B. einen dünnen, morschen Ast gegen einen dicken festen Baum schlägt und der Ast zerbricht.

6. „Ich schütze nur, was ich kenne und liebe“

Im Wald lernen die Kinder das Leben von Pflanzen und Tieren kennen. Die Neugierde und Begeisterungsfähigkeit der Kinder spielen dabei eine wichtige Rolle, die wir wecken und erhalten wollen. Es steht hier das gemeinsame Entdecken und Beobachten im Vordergrund, während ältere Kinder selbstständig Bestimmungsbücher benutzen, um ihren Drang nach Wissen gerecht zu werden. Wer als Kind positive Erlebnisse mit und in der Natur hatte, wird sich auch später für die Erhaltung dieses Lebensraumes einsetzen.
Wir halten die Kinder dazu an, für ihre Spiele nur so viel an Naturmaterialien zu verwenden, wie sie auch benötigen. Außerdem lernen die Kinder den sparsamen Umgang mit Wasser und dem Strom aus der Batterie, weil beides im Wald nicht jederzeit und unbegrenzt verfügbar ist.
Daneben wird auch ein Verständnis für Lebenskreisläufe geweckt. Das bewusste Erleben der jahreszeitlichen Rhythmen, der direkte Kontakt zu lebenden und auch toten Tieren, die wieder als Nahrung für andere dienen, vermitteln den Kindern ein natürliches Verhältnis zum Kreislauf aus Vergänglichkeit und Neubeginn.

7. Offen für die Welt

Jährlich wechselnde Projekte finden im Wald über mehrere Monate statt. Dafür besuchen wir fachkompetente Personen im Umkreis oder laden sie zu uns ein. Somit können die Kinder Beziehungen zu ihrem Umfeld aufbauen und komplexe Themenbereiche für sich erschließen.

8. Wald tut gut

Waldkinder sind das ganze Jahr über in der Natur unterwegs, sodass sich dieses positiv auf die Gesundheit auswirkt und das Immunsystem gestärkt wird. Vielfältige Bewegungsanreize fördern den gesamten Bewegungsapparat und lassen das Gehirn ausreifen. Die stetige Wiederholung kräftigt die Muskulatur.

9. Waldwege in die Schule

Durch gezielte Beobachtung erschließt sich uns die Individualität der Kinder mit ihren Stärken. Wir unterstützen die Kinder in dem Prozess ihre Fähigkeiten bewusst zu erleben und weiter zu entwickeln. Dabei hat der Wald als riesiges, immer wieder neues Spiel- und Experimentierfeld einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Im letzten Kindergartenjahr erhalten die Kinder zunehmend mehr Verantwortung und übernehmen Aufgaben für die Gruppe. Zusätzlich gibt es anspruchsvollere Angebote in der Kleingruppe mit den Ältesten. Dort lernen sie spielerisch sich über einen längeren Zeitraum mit einer Sache zu beschäftigen, wertschätzende Umfangsformen, Konzentration und Sorgfalt. Um einen guten Übergang vom Wald in die Schule zu gewährleisten, pflegen wir Kontakte zu den umliegenden Grundschulen. Mit den Grundschulen „Am Markt“ und der „Südschule“ halten wir in regelmäßigen Abständen Kooperationstreffen ab. Vor dem Eintritt in die Schule begleiten wir die zukünftigen Schulkinder zum Schnuppertag in die Schule.

10. Teamarbeit im Wald

Für uns als pädagogische Mitarbeiterinnen ist der Waldkindergarten der schönste Arbeitsplatz, den wir uns vorstellen. können. Die gute Zusammenarbeit mit den Eltern und ihre Unterstützung bieten uns einen Rahmen, in dem wir uns bei der Arbeit mit den Kindern auf das Wesentliche konzentrieren können.
In der täglichen Vor- / Nachbereitungszeit und Dienstbesprechung, werden Beobachtungen weitergegeben, dokumentiert und die pädagogische Arbeit reflektiert. Im direkten Austausch entwickeln wir die pädagogische Arbeit stetig weiter.
Wir treffen uns zweimal im Jahr mit den Kolleginnen und Kollegen aus den niedersächsischen Waldkindergärten, sowie in einer regionalen Gruppe. Außerdem bilden wir angehende Sozialassistentinnen/ Sozialassistenten und Erzieherinnen/ Erzieher im praktischen Bereich aus.


Überarbeitet von Anne Stamm, Stefanie Imbach, Gesche Hurrelmeyer.


Stand Oktober 2016